Sound & Media 09/05

Die Globalisierungsfalle !

Ich muss mir heute zuerst einmal den Ärger von der Seele schreiben, denn sonst muss ich platzen! Es war meine Wochenendreise mit der ÖBB nach München, um meine liebe Frau zu besuchen und gleichzeitig dem Klassik Echo beizuwohnen – Konkurrenzbeobachtung sozusagen. Ganz modern bucht man sein Ticket über das Internet, das erspart unendliche Schlangen an den spärlich geöffneten Kassen am Westbahnhof. Zusätzlich noch eine kostenpflichtige Reservierung des Sitzplatzes, damit man im meist überfüllten Zug auch sicher einen Platz bekommt. Die Verbindung mit U-Bahn zum Bahnhof klappt perfekt und man steigt sogar vorzeitig in den Zug ein. Einfach ein Traum diese Logistik, denkt man sich. Der Zug fährt auch noch pünktlich ab und alles scheint bestens. Ab jetzt beginnt aber das Dilemma. Nach ca. einer Stunde Reisezeit, hört man den Lokführer über die Lautsprecher, fast schon verzweifelt, nach dem Zugbegleiter rufen. Der ist alleine für den ganzen Zug zuständig und muss von hinten nach vorne hetzten, um zu sehen was los ist. Und dann kommt schon die erste Durchsage: „Es gibt leider einen Lokschaden und die Reise wird sich etwas verzögern.“ Die Verzögerung weitet sich in eine 45minütige Verspätung aus und das bei einer eigentlichen Gesamtfahrzeit von ca. 90 Minuten (Wien-Linz)! Damit aber die Sache noch unlustiger wird, wird der Intercity in einen Eilzug umfunktioniert und er soll in zwei weiteren Stationen (Wels & Attnang-Puchheim) außerfahrplanmäßig stehen bleiben, damit die Reisenden dort ihre Anschlüsse bekommen. Endlich aus Linz draußen, lernen wir Pasching kennen und verharren dort weitere 25 Minuten regungslos. Information ist alles, denke ich mir, aber diesmal KEINE Durchsage, um dem immer noch übervollen Zug zu erklären, was abgeht. Mittlerweile sollte der Zug schon in Salzburg sein, aber dem ist absolut nicht so, da fehlen noch mehr als 100 Kilometer! Jetzt bekommt das ganze eine skurrile Eigendynamik, denn der Eilzug wird plötzlich zum Regionalzug und jeder Reisende kann dem Zugbegleiter mitteilen, wo er stehen bleiben soll. So lerne ich Regner-Zipf oder Vöklamarkt kennen, wo ich dann aussteige, denn meine Frau ist mir entgegengekommen, um dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Zum krönenden Abschluss dieser Odyssee, erhalte ich vom Zugbegleiter noch ein Vergütungsformular ausgehändigt, dass mir eine Entschädigung BIS zu 20% (!) des Fahrpreises verspricht. Aber mich wundert bei unserer Bahn nichts mehr. Seien es überfüllte Züge zur Weihnachtszeit, denn wer könnte annehmen, dass viele Menschen zu ihren Liebsten an solchen Feiertagen wollen oder das konsequente NICHT-Warten, auf den Verbindungszug aus München, denn Zeitplan ist Zeitplan und deshalb fahren wir pünktlich ab und denken auch keine Sekunde darüber nach, ob ein normaler Mensch mit Gepäck es überhaupt in 7 Minuten von einem Ende des Salzburger Bahnhofs zum anderen schaffen kann. Von Globalisierung kann hier absolut nicht die Rede sein und sicherlich auch nicht von vernetztem Denken zwischen zwei defizitären Bahngesellschaften. Da Lob ich mir schon den ORF, denn wer es bemerkt hat, wurde am Tag der deutschen Einheit auch bei uns das Programm umgestellt und statt CSI Miami und Monk, haben wir, so wie alle anderen deutschen Programme, einen Spielfilm gesehen. Zu guter Letzt noch zwei Worte zum Klassik Echo: nichts was wir nicht auch können, mit dem Unterschied von 11 Jahren mehr Erfahrung und 2.000 Besuchern mehr, dafür aber mit geschmalzenen Eintrittspreisen und einem Mini-VIP-Büffet.

Mario Rossori ist Musikmanager