Sound & Media 9/04

Der Austropop ist tot, es lebe die Austro-Pop-Show!

Ich muss schon sagen die Diskussionsrunde zum Thema „Austro-Pop-Show “ im letzten News (Nr. 46) war wirklich hochkarätig: Rudi Dolezal, Ewald Pfleger, Georg Spatt, Markus Spiegel und aus der Ferne Rainhard Fendrich. Lauter erfahrene Personen aus der österreichischen Musikszene, die eigentlich alle genau wissen sollten worum es geht, aber meiner Ansicht nach eigentlich am Thema komplett vorbeidiskutierten. Als wissenschaftlich ausgebildeter Absolvent einer Universität hat man gelernt ein Thema analytisch zu beleuchten und dann Schritt für Schritt einer Lösung zuzuführen. „Themendefinition“: was ist „Austropop“ eigentlich? Dazu muss dieser Begriff zuerst einmal zerteilt werden in „Austro“ und „Pop“. Danach müssen diese beiden Begriffe jeder für sich und dann als Ganzes beleuchtet werden. Bei „Austro“ ist dies ja wirklich einfach. Bei „Pop“ ist das schon schwieriger. Um einen Begriff wissenschaftlich zu definieren, man schlägt am Besten in einem Fachbuch nach oder findet in einer anderen wissenschaftlichen Studie (Doktorarbeit, Diplomarbeit) eine richtige Definition. Mag. Harry Fuchs hat eine solche Arbeit zum Thema „Austropop“ bereits 1996 geschrieben und kam zu folgenden Definitionen: Pop (Popularmusik) steht „heute als Oberbegriff für alle massenhaft produzierten und verbreiteten Musikformen“ und zitiert Peter Wicke (1985) der meint das Pop „die Stilistik und Soundform des Rock mit der universellen Verkäuflichkeit des Schlagers verbindet, im allgemeinen also eine Synthese aus beidem darstellt“. Fuchs weiter „Eine Gesellschaft wird ihr musikalisches Repertoire dabei keineswegs auf das globale Angebot an Unterhaltungsmusik beschränken, sondern wird lokale, regionale beziehungsweise nationale Spielarten hervorbringen.“ Und schließlich das „Austropop aus einer Verschmelzung der Tradition des dialektbetonten Wienerlieds mit den Einflüssen des Jazz in Europa, sowie den Einflüssen des amerikanischen und britischen Rock- und Popmusik hervorgegangen ist“. „Schlussfolgerung“: „Austropop“ ist ein Begriff eines zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfindenden Musikgenres, dass sich dynamisch aufgrund der sozialen, aber auch technologischen Veränderungen entwickelt hat und als Bedingung die deutsche Sprache, den österreichischen Dialekt hat. Wenn man jetzt weiter analysiert, kommt man zu folgenden Ergebnissen: Gründung von Ö3 am 1.Oktober 1967, Veröffentlichung der „Mutter“ der „Austropop“ Lieder „Glock´n“ am 17.Februar 1970, also mehr als 2 ½ Jahre später! Wenn man noch den Klassiker „Da Hof“ (Ambros) dazunimmt, der erst im Jahre 1972 veröffentlicht wurde und den Gassenhauer „Strada del Sole“ (Fendrich) der erst 1981 dem Publikum näher gebracht wurde, kann man klar erkennen, dass erst mit der Popularität des damaligen Jugendsenders Ö3 auch die Popularität der dort gespielten Künstler ansteigt. Auf die heutige Zeit umgelegt und es sind mittlerweile 37 Jahre (!) vergangen, sollte über ein solches historisches Thema eigentlich GAR NICHT diskutieren und schon gar nicht ob dieses Musikgenre heute noch gespielt werden kann. Vielmehr sollten diese so wichtigen Lieder und Interpreten hochgelobt werden, dass sie heute noch immer so viele Tonträger verkaufen und noch immer die Hallen füllen. In der heutigen Zeit hat FM4 die Rolle des Jugendsenders übernommen und leistet seinen Beitrag zur Entwicklung der österreichischen Musikszene wirklich toll. Dass wir bis heute keine musikalische Bezeichnung für die Heinz, Texta, Attwenger, etc. gefunden haben ist vielleicht ein Glück. In diesem Sinne: Der Austropop ist tot, es lebe die Austro-Pop-Show!

Mario Rossori ist Musikmanager