Sound & Media 9/03
Nichts hält ewig!“ oder „Alles geht vorbei!



DER POP PATE

Binsenweisheiten nennen viele solche Sprüche. Aber je älter man wird, desto mehr empfindet man diese Sprüche als real, aus einer gewissen Erfahrung kommend und von Generation zu Generation überliefert. Vielleicht nur in der eigenen Familie, vielleicht aber im ganzen Land, ja vielleicht sogar auf der ganzen Welt. Wer weiß? Aber was hat das denn mit unserer Branche zu tun? Dann denken sie doch mal daran, dass es bald nur mehr VIER Majors geben wird und wenn der Heißhunger so mancher Börsenspekulanten nicht zu stillen war, auch bald nur mehr DREI. Nichts hält ewig! Oder erinnern sie sich an die Zeit der Beatles, die so erfolgreichen Pilzköpfe, die die ganze Welt im Sturm eroberten und von Triumph zu Triumph eilten. Kein Grund zur Trennung dachte man sich und doch. Nichts hält ewig! Und heute genau das Gegenteil. Zwei kongeniale Partner, wie Simon & Garfunkel zerstreiten sich am Zenit ihrer Karriere bis aufs Blut und feiern heuer, 23 Jahre (!) später, ihr fulminantes Comeback mit Tour, CD und DVD. Nichts hält ewig! Da entwickelt sich eine Messe in Köln innerhalb von 15 Jahren von der reinen Indie-Messe zur größten Popmusikshow im deutschsprachigen Raum und zieht plötzlich, ohne Konzept, nach Berlin. Nichts hält ewig! Da kommt Musik, wie vor ewigen Zeiten, nicht nur aus dem Trichter, sondern findet den Weg über Vinyl zur CD und endet vielleicht als digital Code auf winzigen Mikrochips. Statt Abspielen von Musik, wird nur mehr vom Downloaden der Musik gesprochen. Nichts hält ewig! Der Erfolg der ersten Staffel von Starmania spaltete die gesamte österreichische Musikindustrie in zwei Lager. Jetzt bei StarmaniaNG könnte sich das Blatt wenden und die damaligen Gewinner könnten zu Verlierern werden. Nichts hält ewig! Die Glückssträhne mancher Fördernehmer, die über Jahre hinweg, trotz Budgetkürzungen des Kulturressorts gleiche Summen bekamen und dabei gleichzeitig keine nachweisbaren oder sichtbaren Erfolge in ihrer Informationsvereinstätigkeit hatten, ist vorbei. Sparen ist angesagt, vielleicht auch beim Direktor. Nichts hält ewig! Seit 1956 existiert der „Eurovision Song Contest“ in der fast gleichen Form. Von anfänglich 7 Ländern entwickelte sich der größte europäische Musikwettbewerb auf 26 Teilnehmer im letzten Jahr. Für 2004 sind nicht nur gleich zwei Tage für Vorausscheidung und Finale angesetzt, sondern auch sonst ändern sich manche Grundregeln gänzlich. Nichts hält ewig! Da dachte man sich das die „Goldgrenze“ in Deutschland für verkaufte Alben von 150.000 Stück nicht mehr tiefer sinken kann, denn noch weniger wäre doch ein „Geschenk“. Weit gefehlt, denn jetzt wurde sogar beschlossen, dass es nur mehr 100.000 Stück sein müssen und das rückwirkend seit 1.1.2003 (!).Nichts hält ewig! Da glaubten die klugen Köpfe von Apple, dass sie die Rettung der gesamten Musikbranche mit ihrem „iTunes“ sind und jetzt kaum 7 Monaten nach dem Start gibt es schon ein kostenloses Zusatzprogramm mit dem das ganze zu einer Tauschbörse wird, was gar nicht im Sinne der Erfinder war und ist. Nichts hält ewig! Das wir bald Weihnachten haben, zeigt sich nicht nur an den erhöhten Verkaufszahlen und den unermüdlichen Veröffentlichungen aller Firmen, sondern auch am Datum. Ein Jahr mit sehr vielen Auf und Ab´s und vielen personellen Veränderungen. Und deshalb gilt für 2003, wie für so manche Ereignisse in diesem Jahr: „Alles geht vorbei!“

Mario Rossori ist Musikmanager