Sound & Media 08/05

Es wurde gewählt, aber keiner hat gewonnen!

Es war wirklich eine sehr interessante POPKOMM 2005: einmal wollte jeder wissen, ob die zweite POPKOMM in Berlin auch das hält, was von deren Führung versprochen wurde und dann natürlich die WAHL in Deutschland, wo neue Weichen hätten gestellt werden können. Zuerst zur POPKOMM: „20% mehr Besucher auf der „größten internationalen“ Musikmesse in Berlin.“ So war die Schlagzeile in diversen Tageszeitungen zu lesen. Dazu kann ich nur sagen: „Die Statistik heilt alle Wunden“, denn davon war als Aussteller nicht wirklich was zu bemerken. Wie dann dieser Wert? Bei jedem Eintritt zur Messe wurde der Besucher zwar „gescannt“, aber nicht beim Rausgehen. Das hat zur Folge, dass eine Person am selben Tag gleich mehrmals gezählt wurde. Gleichzeitig hatten aber auch andere Personen mit dem gleichen Pass die Möglichkeit des Einlasses, da es kein wirkliche Personalisierung (zB ein Foto) gegeben hat. Im Großen und Ganzen muss aber positiv bemerkt werden, dass alles Andere gut organisiert war und der Service für die Aussteller groß geschrieben wurde. Die Ankündigung eines Klassik- und Jazzbereichs auf der Popkomm war trotzdem die Ente der Woche, denn außer einigen Klassikpanels, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, war von Klassik & Jazz auf der POPkomm nichts zu sehen. Der österreichische Gemeinschaftsstand war aber auch heuer wieder in jedem Fall DER Treffpunkt der nationalen und internationalen Musikszene: angezogen vom futuristischen Standdesign von Peter Fattinger, dem „On Ear“ Konzept von Oliver Hangl, den FM4 DJ´s Functionist und Beware, dem digitalen Satellitenprogramm von GOTV, dem „Unten Ohne“ Bier von Ottakringer, dem Wiener Frühstück mit ANKER Gugelhupf, dem spritzigen Mineralwasser von Vöslauer, der KDG Vintage und natürlich von den beiden „Stand-Feen“ Dagmar Weggel und Sabine pipi Sperk. Neben den langjährigen Sponsoren des Standes AKM/GFÖM, IFPI Austria, Fachverband der Audiovisons- und Filmindustrie und ÖSTIG, wurde extra noch ein Budget der AWO – „go international“ für das 5-Tage-Festival „Berlin Meets Wien“ im Szenetreff Tacheles freigemacht. Dabei wurde wieder einmal unter Beweis gestellt, dass durch die enge Zusammenarbeit zwischen Musikern, Managern und Labels auch mit wenig Geld gelungene Aktionen für die österreichische Musik zustande kommen können und beim Publikum und auch beim Kooperationspartnern (Fritz FM) super ankommen. Und zur WAHL der Deutschen: dabei blieb diesmal aber wirkliche ALLES offen. Kein Bekenntnis zu irgendwas: sei es zu mehr Wirtschaft und weniger Sozialleistungen oder zu gleich bleibender Kontinuität und Stärke, dafür aber sicherlich keine Verbesserung in wirtschaftlichen Belangen. Zu keiner vorher gepredigten Koalition wurde eindeutig JA gesagt und jetzt rauchen die Köpfe, wie es denn weiter gehen soll. Und genau hier beginnen sich die POPKOMM und die WAHL zu kreuzen. Denn auch in der Musikwirtschaft gibt es noch immer KEINE Koalition zu einheitlichen Formaten, was jetzt in Anbetracht der „Umstellung“ von Musik auf CD zu Musik auf dem Handy, erstmals wieder möglich wäre. NEIN, auch hier gibt es mehrere Formate und keiner will sich mit dem Anderen „ins Bett legen“ und der Traum von der großen Koalition wird hier und dort noch geträumt, aber nicht verwirklicht.

Mario Rossori ist Musikmanager