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Sound & Media 8/04 Popkomm neu, aber wie lange noch? Die Popkomm klingelt noch etwas in den
Ohren nach - drei Tage in Berlin mit Musik, Musik und wieder Musik. Aber zu
erst einmal zu den Fakten: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich von der großen
Beteiligung der österreichischen Firmen an unserem Gemeinschaftsstand
wirklich überrascht war. Seit 1997 organisiere ich jetzt den österreichischen
Gemeinschaftsstand und die Teilnehmerzahl ging gerade bei dieser Musikmesse
(im Gegenteil zur MIDEM in Cannes) langsam von Jahr zu Jahr zurück. Und plötzlich
heuer - boom - mehr als doppelt so viele Teilnehmer als im Vorjahr. Man
konnte also wirklich gespannt sein, was die Popkomm in Berlin sonst noch
bewegen konnte, außer uns Österreicher. Vorweg: Das Resultat war gut, aber
nicht sehr gut. Organisatorisch kann da noch einiges verbessert werden, denn
es wurde mir bis zum Schluss nicht klar, warum die Messe Berlin fast alles
in der Organisation (Pässe, Freiakkreditierungen, etc.) neu erfand und
nicht auf Bestehendes und Erprobtes zurückgriff. Flächenmäßig war die
Popkomm in Berlin, meiner Ansicht nach, ähnlich groß wie in Köln. Was
aber komplett weg viel, waren die üppigen und architektonisch aufwendigen
Messestände, speziell der deutschen Majors und der größeren, mittelständigen
Firmen. Warum? Weil sie einfach nicht dort waren! Keine BMG, EMI, Edel, SPV,
Roadrunner, Rough Trade, V2, Zyx Music, etc., etc. Nur Universal, Sony und
Warner waren anwesend. Und die Firmen, die da waren, hatten einen
funktionellen Systemstandbau und da war es nicht verwunderlich, dass unsere
futuristische DJ Box und das Motto „Austria On Ear“ ein beliebtes Objekt
für viele Kameramänner war. Insgesamt sechs (!) TV Teams habe ich gezählt,
die brav unseren Stand als Moderationsplatz auswählten und die Berliner
Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ brachte uns sogar als Aufmacherfoto.
Alles in allem also für Österreich eine sehr gute Messe. Aber wird es im nächsten
Jahr wieder so sein? Wird der Wegfall eines Majors und die Gerüchte, dass
ein anderer auch auf die Teilnahme im nächsten Jahr verzichtet, die Messe
zum Indie Treffpunkt machen? Wenn ja, stellt sich die Frage, ob die Messe
Berlin, da weiter mitwirkt oder ob nicht Köln sich dazu besser eignet. Ein
anderes Thema wurde auf der Popkomm heftigst hofiert und diskutiert: die
deutsche Quote. Dieses Thema kennen wir ja auch in Österreich sehr gut,
aber bis dato war es da, wie dort eher ein Rohrkrepierer und kam wie ein
Schaltjahr immer wieder. Da das Q-Wort aber schon so polarisierend wirkt,
hat sich heuer eine neue Terminologie manifestiert: die Charta. Aber nicht
unsere deutschen Freunde, sondern unsere Nachbarn in der Schweiz schafften
es heuer im Frühjahr. Nach drei Jahren intensiven Verhandlungen und einigem
politischen Druck von ALLEN Seiten wurde eine Vereinbarung unterfertigt, die
die kontinuierliche und gemeinsame Arbeit an der Schweizer Musik - egal
welches Genre - zwischen SRG und den Schweizer Musikschaffenden formal festhält.
Erst im Appendix steht, welcher Sender, welchen schweizerischen Anteil
spielen MUSS. Dass es auch freiwillig geht, zeigen zwei skandinavische Länder,
dort macht der Anteil der nationalen Musik am Gesamtmarkt in Norwegen 25%
und in Finnland 57% (!) aus - dort ist die Quote/Charta KEIN Thema! Aber
vielleicht diskutieren wir das auf der nächsten Popkomm, egal ob in Berlin
oder in ? Mario Rossori ist Musikmanager |