Sound & Media 06/06

Erfolg ist relativ und doch absolut!

Den Erfolg in der österreichischen Musikbranche zu messen schaut auf der den ersten Blick ganz einfach aus und ist meiner Ansicht nach auf der anderen Seite unmöglich. Deshalb hier ein „wissenschaftlicher“ Ansatz. Hypothese 1: Als erfolgreichen Act (KünstlerIn, Gruppe) bezeichnet man jemanden, wenn er jährlich eine "Goldene bzw. Platin Schallplatte" verkauft UND jährlich mindestens eine AMADEUS Trophäe mit nach Hause nimmt UND jedes Konzert ausverkauft. Hypothese 2: Als erfolgreichen Act (KünstlerIn, Gruppe) bezeichnet man jemanden, wenn er jährlich eine "Goldene bzw. Platin Schallplatte" verkauft ODER jährlich mindestens eine AMADEUS Trophäe mit nach Hause nimmt ODER jedes Konzert ausverkauft. Obwohl ich schon mehr als 20 Jahre in der österreichischen Musikbranche arbeite, kann ich nicht beantworten welche der beiden Hypothesen richtig ist - denn meiner Ansicht nach ist Erfolg einfach RELATIV. Ist ein österreichischer Jazz-Act, der in Deutschland für seine Auftritte Gagen bis zu 10.000,- Euro bekommt und dort Landauf und Landab spielt erfolgreicher als ein österreichischer Act der Power.Airplay auf FM4 hat? Ist eine österreichische Sängerin, die in China als einziger internationaler Star bei einer riesigen TV Show Auftritt erfolgreicher als eine Band die beim größten Open Air im Burgenland als erste Band auf die Bühne tritt? Genau - das ist RELATIV! Aber genau so muss man auch die positiven Einflüsse des Österreichischen Musikfonds und die Erfolge seiner geförderten österreichischen Acts sehen. Wir stehen am Anfang des Förderprogramms, nicht in der Mitte und hoffentlich nicht am Ende des gemeinsamen Weges. Dorthin zu gelangen war mühevoll, aber auch einzigartig in der Musikgeschichte Österreichs. Das Ziel war ein gemeinsames Ganzes und das wurde erstmals erreicht. Erfolgsvergleiche zu Christina Stürmer sind dann angebracht, wenn man auch genau in dieser Kategorie spielt und das tut im Moment noch keiner der geförderten Acts. Sinnvoller und ziel führender sind da Vergleiche zu anderen österreichischen Genrestars, denn die Erfolgsmessung ist ja wie gesagt RELATIV. Deshalb hier an dieser Stelle ein Appell an alle Förderer, Jurymitglieder aber auch Einreicher: Der Erfolg des Österreichischen Musikfonds ist auch der Erfolg der österreichischen Musikszene, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis sich der Kreativitätsfluss mit dem Geldfluss und der nötigen Medienpräsenz deckt und daraus eine neue Christina Stürmer entspringt. Also gebt uns gegenseitig etwas Zeit, um die Weichen richtig stellen zu können und damit viele Stars, vom Förderband des Österreichischen Musikfonds herunter springen können. Apropos Christina Stürmer: Ich hatte die Gelegenheit am 15.6. beim Tollwood Festival in München bei einem Konzert von Ihr dabei zu sein, mitten im Fußballfieber der Deutschen, mitten in den „Fan-Meilen“ (bis zu 35.000 Besucher im Olympia Park in München) und mitten in den ersten Sommertagen bei 36 Grad Hitze. Und Christina bewegte fast 4.000 Besucher ins große Saturn Zelt, genauso soviel wie in den Vorjahren James Brown oder Goran Bregovic und geigte dort auf wie ein Star – ABSOLUT.

 

Mario Rossori ist Musikmanager