Sound & Media 06/05

Musik aus Österreich juhu, Song Contest ade?!

Da fahr ich auf eine Woche nach Rom, nicht um mir den Segen des Papstes abzuholen, sondern um mich von den Strapazen der letzten Wochen zu erholen (Amadeus, Musikproduktionsfonds, B-Nice Produktion, etc.), um wieder Energie zu tanken und kaum besteige ich das Flugzeug nach Wien – rums, bin ich sofort wieder im Business. Aber jetzt einmal der Reihe nach. Was Artikel bzw. APA Meldungen so in sich haben ist doch auch für mich mehr als bemerkenswert. Einerseits: meine eigene Kolumne bewegte das Büro von Frau Muttonen, meinen Chefredakteur Hannes Hochstöger anzurufen, um sich über meinen Artikel zu beschweren. Bei mir selber meldete sich aber niemand, vielleicht kam man/frau aber auch dort zur Einsicht, dass doch ein Quäntchen Wahrheit in meinen ganz persönlichen Aussagen liegt. Auf der anderen Seite eine Falschmeldung der APA, die den österreichischen Musikfonds als „nur für Major da“ bezeichnet, die nicht nur die Gründungsväter zum rotieren brachte, sondern auch die gesamte österreichische Indieszene zum Hörer greifen ließ. Resultat: ein „runder Tisch“, bei dem klargestellt wurde, der Topf ist für alle da, egal ob Major oder Indie, egal ob Künstler oder Manager, egal ob Urheber oder Verleger. Diskussionen, die dort angezettelt wurden, ob es sich um Kultur- oder Wirtschaftsförderung handelt, sind meiner Ansicht nach wie die Frage „Was war früher da: Henne oder Ei?“. Faktum ist, alle wollen den Fonds – danke an Michi Gaissmaier und Rainer Krispel für die Organisation dieses Treffen, das Notwendig und Wichtig war – für ALLE. Und jetzt zum Flash nach dem Urlaub. Ich sitz also im Flugzeug und schlage die Zeitung auf, wie jeder brave Österreicher von hinten nach vorne und die erste Schlagzeile die ich lese heißt: „Abschied vom Song Contest“ ORF: Bewerb für die Musikszene irrelevant“ (Kurier 18.6.05 / S. 31). Ich versteh die Welt nicht mehr. Gerade hab ich im italienischen TV auf jedem Sender der RAI an jedem der 6 Tage eine andere Musikshow gesehen und mir gedacht: „Schön wäre das für Österreich!“ und bei uns passiert doch tatsächlich das Gegenteil. Die Szene, aber auch die Konsumenten waren sich darüber einig, dass wir heuer das beste Starterfeld bei „song 05“ gehabt haben und dass mit Markus Spiegel ein Mann ins Team geholt wurde, der weiß wo es lang geht. Dass wir heuer leider nicht in die Endrunde des Song Contest gekommen sind, kann passieren, darf aber doch bitte nicht dazu führen, dass gleich die Flinte ins Korn geworfen wird. Jeder Trainer braucht ein wenig Zeit, um die besten Spieler zu motivieren mitzumachen, sich mit der Führung auseinanderzusetzen, um zu wissen, welche Budgets es freizuschaufeln gilt, um dann im Wettkampf den Erfolg einzufahren. Und gerade im nächsten Jahr läge die Idee auf der Hand: das Mozartjahr. Was hätte dagegen gesprochen, sich mit diesem Thema in der Popmusik auseinanderzusetzen und alle Stars zu fragen, was ihnen zu diesem Thema einfällt. Ich bin davon überzeugt. dass Markus Spiegel mindestens 10 KünstlerInnen gefunden hätte, die eine entsprechende musikalische Idee haben, um dann vor einem Millionenpublikum das Mozartjahr auch auf dieser sehr populären Schiene promoten zu können. Ganz dem Thema des Mozartjahrs entsprechend: „Neues schaffen statt Denkmalpflege.“

Mario Rossori ist Musikmanager