Sound & Media 5/04
Autriche 12 points!
DER POP PATE
Leider
NEIN. Beim heurigen „Eurovision Song Contest“ in Istanbul wurde von
keinem Land die maximale Punkteanzahl an Österreich vergeben. Wir bekamen
überhaupt nur aus Griechenland (5) und Frankreich (4) ein Voting. Die drei
Jungs von „Tie-Break“ schlugen sich aber wacker und hofften sicher, dass
sie, wie so manch andere Künstler, als Propheten im eigenen Land nichts zählten
und mit einem Auslandserfolg, plötzlich das Gehör bekommen, dass ihnen
eigentlich zusteht. Das wird mit dem 21.Platz wohl nicht ganz passieren,
aber wie heißt es so schön: „Dabei sein war alles.“ Dieser Ausspruch
kommt aber eigentlich aus dem Sport und wird speziell bei großen
internationalen Wettkämpfen, wie Weltmeisterschaften und Olympiaden,
angewendet. Vielleicht sollte man auch den „Eurovision Song Contest“ als
wichtigen Wettkampf in der Musik sehen und dementsprechend behandeln - als
„Sportdisziplin“. „Sport“ ist immer Action, Wettkampf, nicht
verlieren, sondern siegen wollen - das hat bei Alf Poier gewirkt, bei
Bettina F. weniger. Der zweite Teil des Wortes ist „Disziplin“. Etwas,
was in unserer Branche eher locker gehandhabt wird, aber deswegen nicht
minder wichtig ist. Wenn man also die Sache konsequent weiterdenkt, heißt
das letztlich auch für den nächsten österreichischen Starter zum
„Eurovision Song Contest 2005“: körperliches und mentales Training,
Materialtests, Vorbereitungswettkämpfe, Qualifikation und schließlich der
alles entscheidende Wettkampf. „Starmania“ in Reinkultur meinen Sie,
nein noch viel „schlimmer“ – die „AUSTRIAN-POP-ACADEMY“
– „song05“ als monatelange Kaderschmiede, wie Stamms für die
Skispringer oder die Südstadt für die Fußballer. Aber hier werden nicht
junge unbekannte „SportlerInnen“ ausgewählt, sondern Sängerinnen, Sänger
und Gruppen, die bereits Erfahrung haben und aber noch den letzten Schliff für
den „Eurovision Song Contest“ bekommen müssen. Denn wer schickt schon
einen Neuling zur Weltmeisterschaft, da tritt man doch auch nur mit den stärksten
und besten Sportlern des Landes an. Und wenn man sich das Ergebnis des
heurigen „Eurovision Song Contest“ anschaut, dann findet man nur „gstandene“
KünstlerInnen auf dem Siegerpodest:
Ukraine – hier bekam die Starterin als erste Künstlerin in ihrem
Land für ihr letztes Album „The Wild Dances“ Platin verliehen, Serbien
& Montenegro – schickte einen Mann ins Rennen, der elf Instrumente
spielt und einer der großen Stars in seinem Land ist und finally
Griechenland – die einen 29jährigen „griechischen Gott“ an den Start
schickten, der alle wichtigen Musikpreise des Landes in den letzten fünf
Jahren abräumte. Da hatten wir wohl weniger zu bieten. Junge unbekannte Sänger,
die sich gerade für die Ausscheidung zusammenfanden und erst ab dem Sieg
bei „song04“ zu einer Einheit zusammengeschworen wurden. Mit medial
wirksamen Anschuldigungen verunsichert werden und ein nationales
„Backup“ haben, das ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. So
gesehen haben „Tie-Break“ sich nicht wacker, sondern SENSATIONELL
geschlagen, denn wer weiß, wie das ganze ablaufen würde, wenn sie in 5
Jahren, nach intensivem Training, Materialtests, Vorbereitungswettkämpfe
und Qualifikation, wieder beim „Eurovision Song Contest 2009“ antreten
und es hieß dann von allen 23 Nationen: Autriche 12 points!
Mario Rossori ist Musikmanager
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