Sound & Media 5/02
"Austrian Music Export"



DER POP PATE

Wieder einmal darf ich als „Aufklärer“ fungieren und gut gehütet Geheimnisse lüften. Nein Spaß beiseite, ich will zuerst einmal über ein aktuelles Projekt berichten, dass als „Neues Musikförderprojekt des Bundesmininsteriums für auswärtige Angelegenheiten“ erst vor kurzem vorgestellt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen VolksLiedWerk, dem mica und MusikexpertInnen im Universitäts- und Musikmanagementbereich, wurde eine Empfehlungsliste mit jungen MusikerInnen aus den Sparten Klassik, Jazz, Worldmusic/Volksmusik, Popmusik und Elektronik/Experimentelles erarbeitet. Zur Zeit besteht diese Empfehlungsliste aus 15 Ensembles und EinzelmusikerInnen und wurde an 406 österreichische Institutionen (Kulturforen, Botschaften, Generalkonsulate und Honorarkonsulate) im Ausland verschickt. Diese können dann aus besagter Liste bei eigenen Konzertveranstaltungen bzw. Anregungen an andere Konzertveranstalter diese Künstlernamen weiterleiten. Da in keiner Presseaussendung bekann wurde, um welche 15 KünstlerInnen es sich aus der breiten Palette des österreichischen Musikschaffens handelt, habe ich recherchiert und auf der Homepage des Außenministeriums (www.bmaa.gv.at/kultur/index.html.de) unter „News“ die Namen gefunden und möchte hier exklusiv unsere RepräsentantInnen, die in nächster Zeit Österreich am internationalen Kulturmarkt vertreten werden, veröffentlichen:

Klassik / Ensembles: Hugo Wolf Quartett, Eggner Trio, Viennarte Trio / Solisten: Wolfgang Sengstschmid, Gottlieb Wallisch, Clemens Zeilinger / Duo: Patricia Kopatchinskaja (Violine) / Christopher Hinterhuber (Klavier); Jazz: Sabina Hank Trio, Gansch'n'Roses/Mnozil Brass, Klaus Paier Trio; Worldmusic / Volksmusik: Monika Stadler Duo, Die Landstreich, Duo Hojsa-Emersberger; DJ / Pop: Bernhard Fleischmann; Elektronik/Experimentelles: Radian.

Ich überlasse es dem geschätzen Leser selbst, sich darüber Gedanken zu machen, warum bestimmte Künstler hier angeführt sind und andere nicht, die Auswahl ist in jedem Fall hochkarätig, wenn auch in manchen Genres viel zu kurz. Nun zurück zu einem erfolgreichen Projekt, das kurzfristigst aus der Taufe gehoben wurde und schon in kürzester Zeit, auch wenn es manche nicht wahrhaben wollten, alle Erwartungen sprengt: ich meine damit den „Talent Award“ von T-Online, der im Rahmen des heurigen AMADEUS vergeben wird. Innerhalb nur knapp einer Woche haben sich ca. 700 jungen Menschen bei dieser Aktion angemeldet und werden das Castingstudio am 23.3. zum Bersten bringen. Ich hege ja schon den Verdacht, dass T-Online ein ähnliches Chaos wie der Kleiderbauer initiieren will, damit die Mariahilferstraße gesperrt werden muss und T-Online damit in die Schlagzeilen der Tageszeitungen kommt. Was aber auch nicht das schlechteste ist, wie wir Promotionmenschen ja eh wissen. Diese ersten Meldungen haben findige Personen in österreichischen TV Anstalten schon ernsthaft darüber nachdenken lassen, ob nicht der „Talent Award“, wie in anderen Ländern, nicht doch eine TV Show werden soll. Ich meine das wäre eine glänzende Idee!

Mario Rossori ist Musikmanager