Sound & Media 04/06

Österreich den Österreichern – 3.Teil


Wie Sie lieber LeserIn vielleicht bemerkt haben, ähnelten sich die Kolumnen von  Walter Gröbchen und mir in den letzten zwei Ausgabe. Wir waren selbst überrascht, wie wir ohne jegliche Abstimmung, so „gleich“ denken, aber anscheinend liegt uns die österreichische Musik so am Herzen, dass wir immer wieder darüber nachdenken, was man anders oder besser machen kann: sei es das Image von Österreich im Ausland zu verbessern oder die ach so heiß ersehnte Musiksendung im ORF zu bekommen. Heute versuche ich mich von Walter „abzunabeln“ und zwei Zukunftsvisionen der nächsten 3-5 Jahre skizzieren.

Hypothese 1: Vier internationale Majorgesellschaften teilen sich den „Verwertungsgeldkuchen“ in Europa. Das neu in Kraft gesetzte Urhebergesetzt und ihre nationalen Durchführungserlässe erlaubt es Firmen, die die wirtschaftliche Voraussetzung haben, sich in einem anderen Land um Verwertungsrechte zu kümmern. Gleichzeitig wurden die Gegenseitigkeitsverträge aller Verwertungsgesellschaften zueinander als nicht EU mäßig eingestuft, da sie gegen den freien Wettbewerbsgrundsatz der EU verstoßen. Fazit, JEDE andere europäische Verwertungsgesellschaft könnte in Österreich mit einem Schlag tätig werden und das in allen Bereichen. Beispiel: Xavier Naidoo tritt in der Wiener Stadthalle auf und verlangt vom österreichischen Veranstalter, dass er das Konzert bei der deutschen GEMA lizenziert. Oder: iTunes lässt die Onlinerechte nicht mehr in Österreich lizenzieren sondern bei der französischen SACEM.

Hypothese 2: Man hört einen Musiktitel im Radio, hält sein Handy zum Gerät und findet mit Hilfe des Handys den Standort der CD im Laden. RFID - Radio Frequency Identification macht es möglich. Eine „Funketikette“ dünn wie eine Büroklammer und gescheit wie ein Minicomputer. RFID dient gleichzeitig als Sicherheitsvorkehrung gegen Diebstahl, als Ortungsgerät für das Handy und ist der Preiscode für die CD. Damit wird der Vorgang bei der Kassa erheblich erleichtert. Mit dem CD Stapel durch einen großen Scanner gehen, dieser registriert ALLE Preiscodes und wirft die Gesamtsumme für alle CD´s aus. Zukunftsmusik von Heute. Denn, jeder von uns kennt die Werbung von Vodafone oder anderen Handybetreibern, dass man das Handy zum Radio hält und dieses erkennt sofort den Titel und den Interpreten. Das verbunden mit RFID verbindet meine Zukunftsvision. Man betritt den Laden und das Handy weist einen den Weg zum richtigen CD Regal und zur richtigen CD. Kein lästiges Suchen mehr im Laden, keine blöden Auskünfte von Regalschlichtern, kein langes Anstellen an der überfüllten Kassa. Ein Traum wird wahr, CD einkaufen wird wieder zum Genuss und Internetverkäufe, deren Gewinne im Ausland stattfinden sind dann Geschichte. Ob jedoch diese Hypothese den Rückgang der CD Verkäufe wirklich stoppen kann, ist eine andere Frage, die sicherlich an dieser Stelle ein anderes Mal zum Zuge kommen wird.

Österreich den Österreichern, so soll das Motto in Sachen Verwertungsgesellschaften lauten und ich bin mir sicher, dass durch geschicktes Verhandeln Übergriffe anderer Gesellschaften abgewendet werden können, denn unsere Verwertungsgesellschaften sind für ihre Genauigkeit und hohen Lizenzausschüttung weltweit bekannt und das könnte Grund genug sein, dass alles so beleibt wie bisher.

Mario Rossori ist Musikmanager