Sound & Media 4/02
"Popmusikwettbewerbe"



DER POP PATE

Wieder einmal bin ich komplett verblüfft worden, wie intensiv und von wem aller meine Kolumne gelesen wird und welche Auswirkungen sie haben soll. Jetzt wird sogar schon behauptet, dass durch meine Worte Subventionsvergaben beeinflusst werden können. Wenn das so ist, dann liebe Fördergeber habt ihr nur die kritischen Aspekte, dieser halben Seite im Kopf behalten, nicht aber die positiven und konstruktiven Ideen. Und darüber geht es heute ausschließlich. Ein Ausflug nach Kärnten zeigte wieder einmal, dass trotz eines bundesweit nicht sehr beliebten Landeshauptmann und eigentlich fast keiner Möglichkeiten von Liveauftritten, außer vielleicht in Eigenregie, sich zu einem Wettbewerb der „Kärntner Woche“ insgesamt 96 Bands (!) gemeldet haben und dies NUR mit Eigenkompositionen. Nicht nur ich, sondern auch der Organisator Christian Lehner, ein alter Haudegen in Sachen Wettbewerben, war von der Quantität, aber noch mehr von der Qualität der auftretenden Bands im Finale, sehr angetan. Es zeigte sich wieder einmal, dass solche Initiativen absolut wichtig und notwendig sind. Die jungen MusikerInnen können sich aneinander messen, den Wettbewerb spüren und hoffentlich mit einem positiven Resultat nach Hause gehen. So ist auch die Ausweitung der „Langen Nacht der Musik“ des ORF und der ORF Enterprise zu sehen, die diesmal nicht nur in Wien, sondern in allen Landeshauptstädten am 8.6.02 zu hören und sehen sein wird. Ein Zeichen, dass genau zur richtigen Zeit gesetzt wird, denn es kann nicht genug für junge österreichische Musik, jeglichen Genres gemacht werden. Und einer der wichtigsten Schritte ist es dem breiten Publikum diese Musik näher zu bringen, denn nur so können auch die Verkäufe für CD`s von heimischen Künstlern erhöht werden. Ein Beitrag dazu ist auch die vom ORF produzierte CD zur „Langen Nacht der Musik“, die aus den überschüssigen Einnahmen dieser Veranstaltung produziert werden konnte. Ein weiteres Beispiel ist auch der „Talent Award“ von T-Online, dem Exklusivsponsor des AMADEUS – Austrian Music Award, wo ähnlich internationalen Beispielen, unbekannte Sänger und Sängerinnen zu einer Gruppe zusammengestellt werden und somit der erste großen Schritt in Richtung Karriere gesetzt werden kann. Mit Hilfe von Fachleuten (Produzent, Choreograph, Styling, Musikmanager) sollen die besten Zehn aus einigen Castingterminen herausgesucht werden und dann über die T-Online Internetcommunity endgültig zusammengestellt werden. Das dies vielleicht wirklich der Start zu einer internationalen Karriere sein kann, zeigt der heurige Österreich - Vertreter zum Songcontest Manuel Ortega der aus solch einem Projekt „entsprungen“ ist. Damals war es „Whatz Up“ ein Projekt der Kronen Zeitung. Inwieweit die Diskussion um seinen Siegersong wirklich gerechtfertigt ist oder nicht, möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren, außer, dass einer der erfolgreichsten österreichischen Songs aller Zeiten „Live Is Live“ immer wieder mit solchen Vorwürfen belegt wurde. Aber gerade diese Wiedererkennbarkeit zeichnet einen Welthit auch aus!

 Mario Rossori ist Musikmanager