Sound & Media 3/04
Alte Haudegen und Neue Wege
DER POP PATE
Für
jeden Künstler ist der Applaus die Butter am Brot, für jeden Journalisten
ist das DER Leserbrief und deren habe ich nach meiner letzten Kolumne gleich
mehrere bekommen. Danke dafür. Kritiker und Befürworter meiner Zeilen zum
Thema Professionalität in Sachen Promotion hielten sich die Waage. Dazu
kurz folgendes: jede Kolumne ist eine persönliche Meinung des Autors und
spiegelt seine persönlichen Erfahrungen und seinen ganz persönlichen
Standpunkt wieder. Vielleicht denke ich zu mainstreamig, vielleicht zu
populistisch, vielleicht auch viel zu eng, trotzdem ist es meine Ansicht die
Sache so zu sehen. Ich möchte gar nicht leugnen, dass in speziellen,
alternativen Einzelfällen mein Ansatz möglicherweise komplett falsch ist,
aber im Allgemeinen ist er sicher richtig. Auch sie liebe LeserInnen machen
vielleicht gerade heuer Erfahrungen, die sie sich vor 1-2 Jahren gar nicht
erträumen ließen. Sie wähnten sich in einem sicheren Hafen und plötzlich
BUMM - alles ganz anders. Nicht durch eigenes Verschulden, sondern durch
Kostenreduktionen, Synergien oder personelle Änderungen irgendwo an der
Spitze über dem Teich, ist ihr Job und ihre erbrachten Leistungen UND
Erfolge plötzlich nichts mehr wert. Sie haben sich für die Firma und die
dort angeschlossenen Künstler zu 200% eingesetzt, sind oft und oft an die
Grenzen der körperlichen Belastbarkeit, vielleicht auch so mancher Legalität
gegangen, aber trotzdem: immer voll dabei und immer voll auf Zug! Dieses
Schicksal könnte heuer noch andere KollegInnen aus der Branche ereilen,
wenn man dem Glauben schenkt, was am 23.3. in der Musikwoche Online (www.musikwoche.de)
stand: „Bis die Talsohle durchschritten ist, wollen die fünf Majors
zusammen jährlich rund 1,3 Mrd. Dollar einsparen. Dies ist zumindest die
Summe, die die "Financial Times" kürzlich aus den zahlreichen
Nachrichten der vergangenen Wochen errechnet hat.“ Wenn dem so ist, kann
wohl nur in zweifacher Hinsicht gespart werden, am Personal und an den
lokalen Eigenproduktionen. Personalabbau ist in jeder Firma ein heikles
Thema, denn hier ist ein Fingerspitzengefühl nötig, dass zwischen reiner
Kosten und Human Resources
unterscheiden können muss. Klar kosten sehr gute Köpfe genügend Geld,
aber sie können dafür mit drei Telefonaten soviel bewegen, wie eine andere
Person in einer Woche. Dass wissen wir, aber nicht die gescheiten Controller
an den Schalthebeln. Denn für Großkonzerne ist die Einzelperson unwichtig,
es zählt NUR das Endergebnis unterm Strich und damit auch die Dividenden so
mancher Presidents. Das gleiche gilt natürlich auch für lokale
Eigenproduktionen, die ja sooo teuer sind und zu viele Resourcen
verschlingen - zu kompliziert, unrentabel und deswegen: weg damit. In beiden
Fällen sind neue Modelle gefragt, die aber anscheinend, wie neue
Vertriebsformen, in die Köpfe so mancher Strategen keinen Einlass finden
wollen. Vielleicht werden neue Lösungen in bevorstehenden
Podiumsdiskussionen: PUBLICA am 31.3. in der Messe Wien, in Symposien: ÖMR
am 23. und 24.4. in der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
oder beim letzten Glas Wodka anlässlich des AMADEUS am 28.4. im ORF
Zentrum, gefunden. Zu hoffen ist es. Außerdem: Talsohlen waren laut meiner
Lehrbücher an der Wirtschaftsuniversität nicht mit Kostenreduktionen,
sondern NUR mit Investitionen zu stoppen, vielleicht kann dafür eine
Arbeitsuntergruppe in den Konzernen eingerichtet werden.
Mario Rossori ist Musikmanager
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