Sound & Media 2/04
Profession oder Professionalität?



DER POP PATE

Auch ich bin, wie so viele andere, in die Musikbranche wie die Jungfrau zum Kind gekommen, bin in diese faszinierenden Welt von Stars und Starlets eingetaucht und darin „steckengeblieben“. Eigentlich habe ich Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität studiert (sogar abgeschlossen) und im Zuge meiner nächtlichen, ausserstudiosen Aktivitäten stellte ich mir oft die Frage, wieso interessieren sich die Jugendlichen im U4 gerade für diese Musik? Welches Zeitschriften lesen sie, welches Radioprogramm hören sie oder gehen sie einfach „nur“ in das nächste Plattengeschäft (damals gab es ja noch keine CD´s) und fragen dort den Plattenverkäufer, der immer am Puls der Zeit ist, was sie kaufen sollen. Ich hab diese Fragestellungen in meiner Diplomarbeit mit dem Titel „Das Informationsverhalten von Jugendlichen bei Schallplattenkäufen“ zusammengefasst und das Resultat war damals für mich erschreckend: die Wiener Jugendlichen informierten sich ausschließlich über den „Ö3 Wecker“ und die „Kronen Zeitung“. Keine der statistisch untersuchten Gruppen, außer damals die Punks, suchten ihre Information wirklich in „eigenen“ Medien, sondern orientierten sich allesamt an den so verpönten Massenmedien - so wie alle anderen Konsumenten auch. Das war vor ca. 20 Jahren (!), aber ich bin der Meinung, so ist es auch heute noch! Wie sonst wäre die jahrzehntelange Pole-Position dieser beiden Medien erklärbar. Oder sind Herr und Frau Österreicher, egal welchen Alters und Älterwerdens, so lange Jahre beständig treu „ihrem“ Medium? Die diversen Mediaanalysen unterstreichen diese Situation nur zu deutlich und sollten alle PR-Profis wachrütteln, dass sie dementsprechend ihre Kampagnen darauf ausrichten. Natürlich weiß ich, dass sich die Medienlandschaft in diesen letzten zwanzig Jahren verändert hat, Neues ist dazugekommen, manch Gutes auch schon wieder verloren gegangen. Das Internet be- und durchleuchtet alles. Die Informationsgesellschaft hat überall Einzug gehalten. Und gerade hier möchte ich ansetzen: Profession alleine reicht nicht in unserer Branche und schon gar nicht in diesen Zeiten. Professionalität ist angesagt. Und die vermisse ich und auch viele meiner journalistischen Kollegen leider immer wieder und leider immer häufiger. Ansonst dürfte es nicht passieren, dass der wichtigsten Tageszeitung Österreichs eines von zwei Exklusivinterviews nicht gegeben wird, da die PR Abteilung der Meinung ist, dass ein großformatiges Intellektuellenblatt „wichtiger“ ist. Oder dass einem TV Redakteur ein Phoner angeboten wird, obwohl dieser dreimal sagt, „ohne Bild kann ich das Interview nicht verwenden, ich mache Fernsehen“. Ganz zu schweigen, dass einem rein bunten Magazin zu PR Zwecken ein s/w Bild geschickt wird. Hier liebe LeserIn handelt es sich nicht um kleine Flüchtigkeitsfehler, sondern um das eklatante Fehlen des kleinen Einmaleins des PR Profis. Profession ist in unserem Job wichtig, sogar sehr, denn sonst würden wir nicht nächtelang in Clubs herumhängen und unsere Stars betreuen, bis sie endlich schlafen gehen. Professionalität muss man erlernen, entweder im Job direkt und/oder mittels einer begleitenden Berufsausbildung. Nur genau diese Berufsausbildung für unsere Branche bietet in Österreich ein einziger Kurs an und der kommt aus Deutschland („e.b.a.m.“, näheres unter: www.blankton.org) oder es gibt E-Learning in den USA (www.berklee.edu). Professionalität aus Österreich wäre jetzt wirklich angesagt.

Mario Rossori ist Musikmanager