Sound & Media 2/03
"Musik ist Trumpf"


 

DER POP PATE

Musik ist Trumpf! Wenn man die letzten Wochen, ja sogar Monate Revue passieren lässt, dann ist meiner Ansicht nach in Österreich und nicht nur vom Fachpublikum, noch nie soviel über und von Musik gesprochen worden, als je zuvor. Warum? Starmania, Song 03 und auch der AMADEUS polarisieren das Land und bringen die Bevölkerung dazu sich mit Musik zu beschäftigen. Sei es in der Arbeit „Hast gestern den Michael gesehen, dass war doch eine tolle Performance!“ oder in der U-Bahn „Also wirklich das Lied vom Poier ist wirklich ein Wahnsinn. Österreich hat erstmals richtig gewählt und bekommt was es braucht!“ oder im Freundeskreis „Wieso ist eigentlich Loud9 nicht beim Amadeus nominiert?“ Eine Bekannte hat mir sogar erzählt, dass ein Fachhochschullehrgang früher aufgehört hat, damit sich alle das Starmania Finale anschauen können. Ganz zu schweigen von den vielen Eltern, die mit ihren Jüngsten jeden Freitag Kämpfe ausfechten mussten, was das Schlafengehen betraf, denn jedes Kind wollte „up to date“ sein, wenn es darum ging am nächsten Tag in der Schule zu wissen, wer ist drin blieb und wer nicht. Alles andere war uncool. Meine Theorie ist ja, dass diese neue Bewegung die Jugend nicht nur beflügelt sich mit Musik noch mehr zu beschäftigen, als sie eh schon tut, sondern sie auch motiviert Musik sogar selber auszuüben. Immer öfter werde ich gefragt, wo ein Kind denn singen lernen kann und wo der Schützling denn am besten so tanzen lernt. Und dann muss ich schon sehr nachdenken, denn in der Schule wird der Musikunterricht eigentlich seit einiger Zeit immer mehr vernachlässigt und ist vielleicht auch nicht mehr ganz am laufenden und ein weiterführender Unterricht in Konservatorien im Bereich Popmusik ist leider noch nicht so weit, wie er jetzt eigentlich sein müsste. Also bleibt zu hoffen, dass die neue Regierung schnell schaltet und Maßnahmen setzt, die vielleicht für die nächste Staffel von Starmania, Auswirkungen hat. Gleichzeitig erfolgen immer mehr Initiativen, die die Weiterbildung von Musikern und solche, die es werden wollen, sei es in Wien durch WienXtra oder im Burgenland durch das OHO. Und nicht zu vergessen das iPoP (Institut für Popularmusik), dass vor einem Jahr gegründet wurde und mit über dreißig Mitarbeitern sich mit der Pflege „alter Musik“ (Jazzstandards) bis zur Analyse der aktuellsten Popsongs (aktuell bei „song03“ eingesetzt) beschäftigt. Musik ist Trumpf! Das scheint auch die größte Bank in Österreich als neunen Slogan zu haben und hat mittels einer Subfirma ganz still und heimlich (ja fast schon unheimlich), dass umgesetzt was die PGA (Promotors Group Austria) binnen kürzester Zeit in den Konkurs getrieben hat – ein Veranstalterimperium. Dazu gehören auch ein übergreifender Ticketvertrieb (in Kooperation mit einer anderen Bank), ein Onlinevertrieb und vielleicht schon bald das eine oder andere Veranstaltungslokal. Wie bei der PGA schaut am Anfang alles super aus, nur der „Hund“ liegt im Detail und die Individualisten müssen sich neuen, wenn auch bereits ausprobierten Regeln unterwerfen, die vielleicht schlussendlich zum richtigen Resultat führen. Eines steht jetzt schon fest, ums liebe Geld braucht man sich diesmal keine Sorgen zu machen.

Mario Rossori ist Musikmanager