DER POP PATE
Allen Unkenrufen zum Trotz war die MIDEM 2002 für Österreich und seine
Vertreter auf den zwei Gemeinschaftsständen ein voller Erfolg. Nicht nur,
dass um 20% mehr österreichische Firmen akkreditiert waren, sondern auch die
Gesamtausstellungsfläche konnte um 10% vergrößert werden und damit ein
Klassikstand realisiert werden. Dies war nur durch das gute Zusammenspiel
zwischen den verschiedenen Fördergebern, wie AKM/GFÖM, Wirtschaftskammer,
IFPI, ÖSTIG und dem Fachverband für Audiovisions- und Filmindustrie, aber
auch durch Kooperationen mit LIFT Verkaufsgeräten, dem ÖMR oder dem VIVO
Zeitschriftenverlag möglich. Auch die Produktion der „austrian music facts“
einem Auszug aus der umfassenden Musikszene Österreichs, der den
internationalen Messeteilnehmer einen kleinen Überblick geben soll und die
zweite Auflage des mp3 Samplers „austrian sound odyssey“, waren nur durch
die gute Zusammenarbeit zwischen Sound & Media, Projekt pop!, Fast Forward
Studios, FM4. music control, SR Archiv und motune möglich. Die MIDEM 2002
war somit ein perfektes Beispiel dafür, dass Exportaktivitäten für
österreichische Musik, nicht nur durch kostspielige Bürokratie machbar sind,
sondern durch ein harmonisches Miteinander erfolgen können und wie man so
manchem offenen Brief entnehmen kann, auch nur so gewollt ist. Ein „Export
Music Austria“ gehört her, da stimm ich gerne ein, sonst haben das
vielleicht sogar noch unsere deutschen Nachbarn früher als wir, aber
kursierende Konzepte über ein solches, wo das Verhältnis zwischen Verwaltung
und Aktionsbudget 1:1 sind, sollten so rasch wie möglich geändert werden und
eher 1:3 lauten, damit neben der Beteiligung auf Musikmessen auch noch
andere Aktivitäten möglich sind. Dann wären reine Eigenaktivitäten
österreichischer Künstler, wie zum Beispiel die Tournee von Ballycotton (www.ballycotton.at)
in Taiwan mit flankierenden Maßnahmen möglich und die Erfolge dieser
österreichischen Band, könnten dann vielleicht auch auf andere asiatischen
Ländern übergreifen. Ganz im Gegenteil zu den österreichischen Wünschen,
sind die so gern vorgehaltenen Beispiele aus Skandinavien alle „Einmann/frau“
Centers, die so wie heuer Norwegen gleichzeitig den Messestand, die
Eröffnungsshow mit insgesamt 12 Bands und die Betreuung des norwegischen
Prinzen organisierten. Kein aufgeblähter Apparat, keine Bürokratie, sondern
effizientes, kostengünstiges Arbeiten sind hier die Eckdaten. Allen diesen
„Centers“ steht aber auch eine Integrationsfigur vor, die sowohl im In- als
auch im Ausland akzeptiert ist und somit auch die jeweilige Musik
„repräsentiert“. Sollten sich die österreichischen Politiker und Fördergeber
mit dem Thema „Export Music Austria“ jetzt wirklich intensiver beschäftigen,
dann wären sie gut beraten, sich verschiedene Meinungen einzuholen und in
ihren Überlegungen auch auf bereits bestehende Strukturen zurückzugreifen,
die das umfassende Musikleben Österreichs bereits jetzt zum Großteil
abbilden, wie zB. das SR-Archiv für Popularmusik (www.sra.at). Ich bin davon
überzeugt, dass es genug gute österreichische Musik gibt, die exportiert
gehört und gerade ein aktuelles Beispiel, wie „Pina“ zeigt, dass es dafür
keine Grenzen gibt.
Mario
Rossori ist Musikmanager