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Sound & Media 17/02 "Musik und Politik 2"
Die
Wahlschlacht ist geschlagen und Wolfgang Schüssel ist als strahlender Sieger
vom Platz gegangen. Und nicht nur das, er hat das beste Ergebnis der ÖVP
seit 32 Jahren nach Hause gebracht. „Wie hat er das nur geschafft?“ fragt
man sich sofort. War es sein umtriebiger Geist, sein Wille zur Macht, sein
Sportlerehrgeiz, seine Bürgerverbundenheit oder einfach nur Glück?
Sicherlich ein perfektes Mix von allem. Aber meiner Ansicht nach eine
wirklich perfekte Taktik. Würde Schüssel einige Jahrhunderte früher gelebt
haben, dann würde er jetzt schon als einer der größten Feldherrn in jedem
Geschichtsbuch stehen. Jetzt muss er noch ein wenig warten, aber er wird es
trotzdem tun. Die Taktik die er an den Tag legte war zweiseitig: zuerst die
Schwäche des Gegners eiskalt ausnutzen – drei Wochen vor der Wahl Grasser in
sein Lager übertreten zu lassen, war der endgültige Todesstoss für die FPÖ
und gleichzeitig der Auftakt die einstmaligen Protestwähler, die von der ÖVP
zur FPÖ gingen, zurückzuholen. Und zweitens: im Zeitalter des Infotainments
sofort die wichtigsten Stützpunkte im Radio und TV besetzen und im richtigen
Moment die notwendigen Fäden ziehen. Wir wissen alle, dass je öfter man
einen Musiktitel hört, desto besser gefällt er einem und desto mehr möchte
ihn auch der Konsument haben, entweder als CD oder zumindest als mp3. Und
genau dies ist auch bei dieser Wahl passiert. Sie meinen, die TV-Debatten
waren doch zeitlich ausgeglichen. Das ja, aber eine unabhängige Studie der
Innsbrucker Forschungsgesellschaft „mediAwatch“ im Auftrag des „Standard“
(Bericht vom 23.11.) hat vom 1.9. bis 21.11. die O-Töne der
Spitzenkandidaten in ZiB1, Zib2 und Zib3 beobachtet und gestoppt und
summiert über alle Sendungen lag das Wahlergebnis schon vorher eindeutig
fest: 1. Schüssel, 2. Gusenbauer, 3. Haupt/Reichhold und 4. Van der Bellen.
Wenn man die einzelnen Sendungen genauer betrachtet ist es noch eindeutiger:
ZiB 1: Schüssel 853 Sek., Gusenbauer 597 Sek., Van der Bellen 386 Sek. und
Haupt 313 Sek. Wenn man bedenkt, welche Einschaltquoten die ZiB1 hat, kann
man sich leicht ausrechnen, dass der 1. Platz von Gusenbauer in der ZiB2
wenig ausrichten konnte. Der Sieg ist Wolfgang Schüssel zwar gelungen, aber
jetzt heißt es die Ernte auch gut über den Winter zu bringen und hier darf
man ihm und uns nur Glück wünschen und hoffen, dass nicht nur ein einziger
Wunsch in seinem Kanzlerkopf das Sagen hat.
Die letzten Tage waren aber nicht nur vom Wahlkampf geprägt sondern auch von einer plötzlichen Umstrukturierung bei einem Major, die so plötzlich vollzogen wurden, dass sogar Insider, so wie ich, völlig verblüfft waren und sind. Auch hier war perfekte Taktik am Werk und zusätzlich etwas, was in unserer Branche eigentlich undenkbar ist, absolutes Stillschweigen. Dieser Wechsel hat aber auch seine zwei Seiten, denn wir verlieren auf der einen Seite einen erfahrenen Mann in der Musikszene und in wichtigen Gremien und freuen uns auf ein Comeback eines Anderen, der für seinen Willen zum Erfolg bekannt ist. So wie der Ausgang der Wahl macht auch dieser Wechsel mich gleichermaßen traurig und glücklich zugleich. Wieso? Das ist eine ganz andere Geschichte.
Mario
Rossori ist Musikmanager |