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Sound & Media 16/02 "Musik und Politik 1"
An einem
Thema können wir alle in der nächsten Zeit sicherlich nicht vorbeikommen:
den nächsten Nationalratswahlen am 24.11. Sie meinen vielleicht: Was geht
uns das an? Es interessiert uns vielmehr, ob das Weihnachtsgeschäft richtig
geht und ob die neuen Handelspartner, wie BOF (Building Of Fun) und
Hartlauer die Verluste des Libro wettmachen können. Nein, nein, weit gefehlt
meine LeserIn. Bei dieser Wahl geht es vielleicht um Trendwenden, die uns
alle sehr wohl betreffen werden. Anlässlich einer Podiumsdiskussion zum
Thema "Quotenregelung" wurde dies auch klar herausgearbeitet: die nächste
Wahl entscheidet darüber, ob es bei uns mehr österreichische Musik im Radio
bzw. auch mehr österreichischen Film im TV geben wird oder nicht. Es waren
zwar nicht alle Parteien am Podium, aber die die da waren, gaben klare
Statements ab: die Grünen, sprechen sich klar für eine Quote aus und sehen
darin einen wichtigen Beitrag zur Kulturförderung, die Blauen, sind mit
aller Vehemenz dagegen, da sie Regulative wie diese nicht als sinnvoll
erachten. Dabei hatte ein anderer Vertreter der ehemaligen Jörgl-Partei vor
vier Jahren am selben Ort, genau das Gegenteil gemeint - aber so sind die
Politiker halt immer/manchmal/selten (bitte unzutreffendes durchstreichen) -
ein Fähnchen im Wind. Die Ausrichtung der österreichischen Politik erfolgt
aber auch klar nach dem deutschem Vorbild. Dort werden die Rufe nach einer
Quote, ähnlich wie in Frankreich, nur halt mit deutschsprachigem Text, quer
durch alle Gremien und Organisationen lauter und lauter und die Politik kann
sich, um Künstler, wie Entertainmentkonzerne, nicht vor den Kopf zu stoßen,
dessen nur mehr voll inhaltlich anschließen. Ein zusätzlicher Schub in diese
Richtung ist sicherlich auch noch die schlechte Marktlage im Musikbusiness -
schlechter als bei uns, trotz keiner Librokrise. Dazu kommen aber auch noch
genaue Analysen über die herrschende Radiosituation und Vergleiche des
Marktverhaltens in anderen europäischen Ländern. Die Ergebnisse dabei waren,
wie bei meiner Analyse vor zwei Jahren für die AKM/Gföm, identisch: mehr
nationales Airplay, zieht mehr nationale Verkäufe mit sich und machen damit
den regionalen Markt unabhängiger zu den immer stärkeren werdenden
Globalisierungsströmen. Dazu kommt noch, dass die einzigen zwei Länder, die
in letzter Zeit Zuwächse am Markt hatten, natürlich Schweden und Frankreich
waren, das kann ja wohl kein Zufall sein! Ein andere Ansatz, der in dieser "Quoten-Diskussion" herauskam, war der Zwang zur Einschaltquote, die die Kulturschaffenden und Kulturinteressierten immer stärker von den Format-Radio-TV-Stationen wegbringt und sie neue Informations- bzw. Verbreitungsformen suchen und auch gefunden haben. Nur so sind Erfolge, wie zB. von chouch records, einem kleinen österreichischen Label, mit klarer Ausrichtung zum Export, erklärbar. Es veröffentlicht Musik, wie Dzihan und Kamien, komplett abseits des Mainstreams und fährt damit Erfolge im In- und Ausland ein, sei es in Portugal, UK oder gar USA. Ein Beispiel von vielen in dieser Musiksparte, dass zeigt, dass Formate nicht nur alles nivellieren – meistens nach unten, sondern der Kreativität auch einen ordentlichen Schub geben können. Wir sind also noch nicht verloren.
Mario
Rossori ist Musikmanager |