Sound & Media 13/02
"Music for Europe & Format die 1."



DER POP PATE

Da sitze ich nun nach drei Tagen Konferenz in Brüssel in einem Cafe in der Altstadt und lasse die Eindrücke, die ich bei und rund um diese Sitzung im Auftrag des ÖMR (www.oemr.at) zum Thema "Music for Europe – the Young Generation" besuchte, Revue passieren. Delegierte aus 15 Ländern nahmen daran teil und versuchten gemeinsam mit Jugendlichen Lösungsansätze zu konzipieren, wie junge Menschen (bis 25 Jahre) in Zukunft besser und stärker in Gremien und Organisationen im Bereich Musik integriert werden können, um das Altern, ja vielleicht sogar das Aussterben, dieser Verbände zu verhindern. Gleichzeitig wurde uns dort aber leider wieder sehr bewusst gemacht, wie aussichtslos das Unterfangen nach mehr Geld in und aus der EU wirklich ist. Es ist den Damen und Herrn in Brüssel halt jeder Euro für Industrie und Agri-culture wichtiger, als für richtige Culture. Dies ist aber nicht nur in Brüssel so, sondern auch in vielen Staaten, die bald auch zur EU gehören. Einige Delegierte berichteten, dass dort die Kulturbudgets drastisch bis ganz gekürzt werden, denn der Beitritt zu NATO und EU kostet viel Geld und da muss jetzt schon gespart werden. Ein Horrorszenario wenn diese Gedanken in ganz Europa Fuß fassen sollte, dann wird Kulturgenuss nur mehr ein Zeitvertreib für die ganz Reichen werden und dass hatten wir ja schon einmal vor einigen Jahrhunderten. Da nutzen auch alle Bestrebungen mehr Informationen über das vielseitige Musikschaffen in der EU mit einem Music-Navigator zu verbessern nichts, wenn es dafür keinen neuen Content gibt und man die teure, als eines der ganz wenigen Musikprojekte, von der EU mitfinanzierte, Datenbank nur mehr als sehr gutes Archiv nutzen kann. Aber auch ganz andere Gedanken kommen einem, wenn man sich im Ausland müde durch die TV Landschaft zappt. Auf jedem dritten Programm läuft dort die gleiche Millionenshow, zwar in anderer Sprache (auch in arabisch!), aber sonst im haargenau gleichen Format. Nicht nur das die Sitzpositionen des Kandidaten und Moderators gleich sind, sonder auch die Grafik und der Sound. Und dann kommt einem gleich der Gedanke: Will ich das wirklich? Soll die ganze Menschheit gleich denken und ihre eigenen Kulturen verleugnen, nur weil es so einfach ist, sich bei bestimmten Produzenten mit teurem Geld ein Format zu kaufen und sich keiner mehr selbst anstrengen will sich eigene Gedanken zu machen. Harte Worte meinen Sie? Ich habe dazu den Duden aufgeschlagen und nachgeschaut was heißt eigentlich: Format, allg.: Gestalt, Größe, Maß; stark ausgeprägtes Persönlichkeitsbild; bestimmtes Niveau, genormtes Größenverhältnis. Und dann bin ich stutzig geworden. Denn ein Niveau kann sich durch ausgesprochen hohe Qualität auszeichnen, aber auch durch genau das Gegenteil – durch ein sehr starkes niedriges Niveau, um eben mehr Leute zu erreichen. Und dann lese ich die Sonderausgabe der Musikwoche zum Thema 50% Quote in Deutschland und finde dort den Satz: „Es gibt kaum noch Musikredakteure. Statt dessen werden Musikeinsätze vom Computerprogrammen gesteuert. Die Musikauswahl wird durch Marktforschung auf Bekanntheitsgrad und „Abschaltfestigkeit“ getestet.“ Und ich zähle Eins und Eins zusammen und komme zum Schluss: Die weltweiten Formatradios und TV´s haben das Ziel durch ein breites niedriges Niveau so viele Menschen wie möglich zu erreichen und keiner regt sich auf! Hoffentlich war alles nur ein schrecklicher Traum.

Mario Rossori ist Musikmanager