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Sound & Media 11/02 "Unsere Entertainmentbranche"
Vor etwas
mehr als einem Jahr habe ich mit dieser Kolumne einigen Unmut bei einer
mittlerweile in Konkurs befindlichen Unternehmung geerntet, als ich damals
von Diktatur oder KBG Methoden geschrieben habe. Die Sache ist damals
ausführlich besprochen worden und wie es in Österreich so üblich ist, hat
man das „Kriegsbeil“ mit einem Glas köstlichen Weins runtergespült. Wie so
manch historisches Beispiel, währte auch dieses zentralistische Konstrukt
einer Entertainmentholding, nicht sehr lange. Aber es bleibt leider ein
bitterer Nachgeschmack, denn diese Unternehmung hat UNSERE Branche als eine
der gewinnträchtigsten den Banken und Investoren dargestellt und innerhalb
kürzester Zeit genau das Gegenteil eingespielt. Denn es wurde nicht nur von
tollen Umsätzen und Gewinnspannen bei Konzertveranstaltungen, Ticketverkauf,
sondern auch bei Management oder Plattenlabel gesprochen. Das alles ist
jetzt „heiße Ware“! Denn wo man hinhört, erfährt man: „Bei Euch ist alles im
Argen, zuerst der Libro und jetzt die PGA.“ Meine Damen- und Herrschaften,
da gibt es einiges zerschlagenes Geschirr wieder herzurichten und Banken,
Investoren, aber auch Mütter und Väter, die ihre Kinder gar nicht mehr gerne
im Entertainmentbusiness sehen wollen, zu beschwichtigen und zu überzeugen,
dass die Aussage „dort geht eh alles baden“ unwahr und nur für Einzelfälle
gilt, wenn auch leider für sehr Große. Um das zu ändern, ist wieder einmal
ein gemeinsames Handeln aller Firmen, Organisationen und Institutionen
gefragt, nur so können wir das Image UNSERER Branche hoch halten. Denn wir
vermitteln nicht nur gute Musik und damit auch gute Gefühle, arbeiten mit
tollen Künstlern und verrückten Kreativen, feiern nicht nur Partys und
besuchen laute Konzerte, sondern können mit dem liebsten das wir tun, auch
Geld verdienen, wenn es auch im Moment nicht so leicht fällt. So wird auch die gerade stattfindende Popkomm in Köln zu verstehen sein, wo heuer vielleicht weniger gefeiert wird, wenn auch nur aus Kostengründen, dafür mehr konstruktiv und kreativ über UNSERE Branche gesprochen und diskutiert wird. Vielleicht können gerade hier neue Handelskonzepte, Imagekampagnen oder Anti-Kopier-Slogans in gemeinsamer, vielleicht sogar überregionaler, Arbeit entwickelt werden – schön wäre es! Mindestens genauso wichtig ist es aber auch, den Konsumenten UNSERE Branche besser verständlich zu machen, welchen hohen Stellenwert unsere Arbeit hat, sowohl für das Kulturschaffen als auch für das Land Österreich selbst. Dazu könnte das im Herbst startende „Boulvardmagazin“ des ORF, aber auch das bald startende Wiener Regionalfernsehen „Puls City TV“, das lt. dem Programmdirektor Harald Hackenberg täglich "musikalische Bühnenevents", wobei jedem Wochentag ein Genre zugeordnet ist, beitragen. Und nicht zu vergessen die plötzliche Möglichkeit für Österreich beim Songcontest 2003 mitzuwirken und die gelungene TV Show „song02/03“ erneut an den Start zu schicken, vielleicht auch wieder mit einem FM4 kompatiblen Act a la Stermann & Grissemann. Weitere Tools Musik und das dazugehörige Rundherum wieder „salonfähig“ zu machen, sind sicherlich die neue Falcostiftung, der Music Channel und das eine oder andere Konzept aus dem Pool der Creative Industries. Denn UNSERE Branche ist Entertainment.
Mario
Rossori ist Musikmanager |