DER POP PATE
Ich
muss schon sagen, das Jahr 2004 beginnt im Bereich Musik sehr rasant und
gleich mit einigen wirklich Überraschungen im In-, aber auch im
benachbarten Ausland. Die Meldungen über die Abgänge in Deutschland überholen
sich ja fast auf der Zielgerade: zuerst Tim Renner, dann Thomas M. Stein.
Schlag auf Schlag, Tag auf Tag verabschieden sich zwei Kollegen (beide auf
eigenen Wunsch), die ich immer als Trendsetter und wichtige Kommunikatoren für
unsere Branche geschätzt habe. Beide suchten immer die Nähe ihrer Künstler
und waren für viele Stars, die eigentlichen Väter dieser Karrieren. Das
stimmt mich etwas nachdenklich: heißt das vielleicht, dass die deutschen
Majors sich einem neuen, vielleicht sogar „anti-national-A&R“ Trend
nähern und deshalb die beiden das Weite gesucht haben? Oder soll dieser
Doppelschlag ein Zeichen sein: „Freunde, es ist aus, das Schiff soll ohne
mich sinken!“? Oder war es alles nur ein dummer Zufall? Nur, ICH glaube
nicht an Zufälle.
In Österreich, der „Insel der Seeligen“, hat das Jahr 2004 eher ruhig
begonnen. Nur im Ausklang des Jahres 2003 kam kurz vor seinem Ende, die
Causa Ranatasa/Skrepek ans musikalische Tageslicht. Beide Multifunktionäre,
in der nationalen (Skrepek) bzw. internationalen (Ranatasa) Musikszene,
trugen ihren Konflikt über diverse Websites bzw. Tageszeitungen aus und
sind im Detail nachzulesen auf: www.musikergilde.at.
Andererseits wird erstmals unser zuständiger Staatssekretär Franz Morak
auf die MIDEM kommen und dort nicht nur österreichische Firmen treffen,
sondern sich auch ein Bild über die wichtigste internationale Messe im
Bereich Musik machen. Wer weiß, vielleicht gibt dieser Besuch den
Startschuss, für so manches Projekt, das bereits seit langem in einer
Tischlade liegt. Positiv zur MIDEM ist auch zu berichten, dass Österreich
auf den beiden Gemeinschaftsständen insgesamt 50 Firmen (das sind nur um
drei weniger als 2003) vereinigt und damit die „Jubelmeldung“ aus
Deutschland: „80 Firmen auf der Midem!“, in Relation, ganz locker in den
Schatten stellt. Und in diesem Ton und in dieser Schlagzahl geht es auch
gleich weiter. Zuerst wird der von FM4 und dem Rabenhof organisierte
„Protest Song Contest“ am 12.2. ins Finale gehen und aus den ca. 300
eingesendeten Titeln der neue, zeitgenössische Protestsong ausgewählt. Zu
diesem Zeitpunkt hat StarmaniaNG schon seine SiegerIn und präsentiert
vielleicht statt vieler Einzelkünstler, neu formierte Gruppen aus den
letzten 12 Finalisten, die dann endlich die Hitparaden erobern sollen. Dass
wird die TeilnehmerInnen am „song04“ eher kalt lassen, geht es doch hier
nicht nur um einen Startplatz in Istanbul, sondern auch um viele und gute
Promotion in TV & Radio, die diesmal eher von arrivierten Künstlern
ausgeschöpft werden soll. Da sich alle Firmen sehr bedeckt halten, lässt
das genügend Raum zu einigen Spekulationen. Diese Spekulationen wird es
sicher für die große „Austro-Pop-Show“ NICHT geben, denn wer dort
auftreten wird, steht in KEINEN Sternen. Aber vielleicht wird dort klar, ob
die Fendrichs sich nur für die PR oder auch wirklich in die Haare gekommen
sind. Dies alles wird auch sicher Thema des Ende April stattfindenden
Symposiums des ÖMR (www.oemr.at)
sein, wenn es darum geht "Kreativität & Pluralismus. Bedingungen
musikbezogener kreativer Arbeit in Österreich im Zeitalter musikalischer
Vielfalt" zu durchleuchten. Da liegt wirklich viel Musik in der Luft!
Mario Rossori ist Musikmanager