Sound & Media 1/03
"Vergangenheit und Zukunft"



DER POP PATE

Ich möchte das heurige Jahr an dieser Stelle etwas nachdenklicher beginnen, als vielleicht in den vergangenen Jahren. Die Gründe liegen manchmal klar auf der Hand, manchmal stehen sie aber auch im Verborgenen und kommen erst gar nicht oder nur ganz selten zum Vorschein. 2003 wird für manche von uns ein Jahr der Veränderungen sein, vielleicht weil man plötzlich vor die Tür gesetzt wurde, vielleicht weil man ein Projekt schon fast in der Tasche hatte und doch nicht zum Zug gekommen ist, vielleicht weil es einem gesundheitlich schlecht gegangen ist, vielleicht weil man finanziell zu viel riskiert hat oder vielleicht weil man einfach nur am Markt vorbeiproduziert hat. Manchmal war man selbst dafür verantwortlich, manchmal auch andere Personen, manchmal kann man es bestimmten Ereignissen zuordnen und manchmal sind es Dinge zwischen Himmel und Erde, die einfach nicht erklärbar sind. In allen Fällen sollte man sich aber zuerst einmal besinnen, vielleicht sogar verharren, einen Schritt zurücktreten und sich die Geschehnisse „aus der Ferne“ betrachten. Meist sieht man dann auch den Kern oder auch das Problem der Sache und nicht nur die Auswüchse, die das Bild unkenntlich machen und das Wesentliche verschleiern. Sicher einfacher gesagt, als getan und in Zeiten wie diesen vielleicht ein etwas zu esotherischer Ansatz. Trotzdem und vielleicht gerade deswegen sollte man sich damit befassen und es nicht einfach zur Seite schieben, denn sonst ist es vielleicht schon zu spät.

Genauso wie es gut ist in die Vergangenheit zu Blicken und daraus zu lernen, muss man aber auch in die Zukunft schauen und die sieht in mancher Hinsicht für österreichische Bands rosiger aus, als man denkt. Waren es früher speziell die Damen und Herrn aus der elektronischen Ecke, die sich im Ausland für „Good Old Austria“ verdient gemacht haben und natürlich nicht zu vergessen unser DJ Ötzi, sind es 2003 speziell Gruppen aus dem Pop/Rock Bereich, die Österreich nicht nur durch das Skifahren bekannt machen: da wären einmal .sPout aus Wolfsberg, die mit ihrem Nu-Metal Sound gerade in Japan „abheben“, garish aus dem schönen Burgenland zeigen den deutschen und ungarischen Freunden „wo die nacht erzaehlt vom tag“, Pungent Stench aus Wien machen doch glatt eine Welttournee und bereisen alle 5 Kontinente, Count Basic aka Peter Legat aus Kärnten samt seinen Mannen und Frauen bereist Russland und The O5 aus Wien spielen bald häufiger in UK als in Österreich. Alles Zeichen dafür, dass sich die österreichischen MusikerInnen nicht davon abhalten lassen, erfolgreich zu werden, egal welche Situation in Österreich herrscht oder gerade vielleicht deshalb. Inwieweit ein zentralistisch geführtes Exportbüro da helfen kann, mag dahin gestellt sein, bin ich doch eher ein Verfechter des Tun, als des langfristigen Planen und dem meist damit verbunden Zerredens und Verpassen von Chancen. Da ist mir das Netzwerk der Förderer der vor kurzem stattgefundenen MIDEM wesentlich lieber und auch effizienter. Deshalb auch an dieser Stelle ein großer Dank an AKM/GFÖM, IFPI Austria, Fachverband für Audiovision- und Filmindustrie, ÖSTIG, und Wirtschaftskammer / Aussenwirtschaft für ihre ständige Unterstützung der österreichischen Gemeinschaftsständen auf den internationalen Musikmessen.

Mario Rossori ist Musikmanager