Sound & Media 10/03
Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit



DER POP PATE

Immer wieder bin ich erfreut, wenn Menschen auf mich zukommen und mir bestätigen, wie sehr ich bei vielen Dingen mit meiner Meinung richtig liege und sie deshalb so gerne meine Kolumne lesen. Mir geht es aber dabei so wie vielen Künstlern, die einfach nur ihr Ding machen und eigentlich gar nicht verstehen, warum die Fans gar so hysterisch reagieren. Und auch ich gehe eigentlich nur mit offenen Augen und Ohren durch die Musikwelt und schreibe meine Gedanken darüber hier nieder. Und deshalb bin auch ich immer wieder darüber verblüfft, wie genau die Dinge auch manchmal wirklich eintreffen.

So habe ich genau vor einem Jahr geschrieben: "Eine Flut von Popstars wird auf uns ÖsterreicherInnen hereinbrechen, wenn entschieden wurde, wer "Starmania" gewonnen hat und wer die elf "Verlierer" sind. Eine Plattenfirma hat damit auf alle Fälle genug zu tun." Beide "Prophezeiungen" sind in Erfüllung gegangen und haben durch die tolle Performance von Universal Music und seinem Team im ersten Halbjahr 2003 unsere Marktzahlen auf das Positivste beeinflusst. Ja ich weiß, das war sicher nicht so schwer zu erraten, auch wenn diese Zeilen schon im Dezember 2002 geschrieben wurden und das Finale erst am 21.2.2003 war.

Da sind neue Vorraussagen für die Ergebnisse von StarmaniaNG oder die Platzierung unseres Österreichvertreters beim 36köpfigen Starterfeld für den Eurovisions Songcontest, schon wesentlich schwieriger. Trotzdem: gegen alle Unkenrufe werden die ersten beiden StarmaniaNG Finalisten (Mädchen und Junge) durchstarten und wie Tschuki und Christl die Szene wesentlich beleben. Aber ein Coup, wie mit Alf Poier, passiert halt eben nur alle 14 Jahre und deshalb steht für mich fest: "Austria - zero points". Dafür ist zum Glück der Amadeus - Austrian Music Award eine Bank im imaginären Wettbüro. Dieser findet sicherlich auch 2004 statt, nur terminlich vielleicht etwas früher, dafür aber umso jugendlicher und noch rasanter. Das der Merger BMG und SONY passieren wird, steht zwar noch nicht ganz fest, aber die EU wird kein zweites Mal die Tore schließen, möchte sie nicht der Musikindustrie nicht die letzte Hoffnung rauben, dass die ersparten fast 300 Mio. Doller die Talfahrt stoppen könnten.

Dabei fällt mir sofort ein Sprichwort ein: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Meiner Meinung nach agiert die Industrie viel zu wenig auf die Veränderung des sozialen und käuferischen Verhalten der Konsumenten, sondern reagiert nur. Das ist im geschäftlichen Verhalten immer schlecht. Deshalb: Warum gibt es noch keine „Klingelton Hitparade“? Werden doch zum Beispiel bei manchen Songs in Deutschland 4x mehr Klingeltöne verkauft, als Singles. Für die DVD ist eine solche Hitparade seit heuer bei uns gelungen. Warum werden nicht schon „MMS Covers“ ins Netzt gestellt, die den Klingelton optisch, wie ein Cover einer Single, unterstützen. iTunes hat in den letzten 8 Monaten 20 Millionen Titel per download verkauft. Warum werden nicht neue Tonträger auch in Form von Memory-Sticks verkauft. Ganz im Stil des Retro Trends, werden ja auch viele CD´s als Vinly´s  aufgelegt, warum also nicht auch in der anderen Richtung mit der Zeit gehen. Wenn das die meist jugendlichen Konsumenten so wollen, dann sollen sie es doch haben.

Was wirklich davon passieren wird, kann man sicherlich an dieser Stelle, nach einem erfolgreichen Jahr 2004, dass ich allen meinen Lesern wünsche, erfahren.

Mario Rossori ist Musikmanager