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Sound & Media 10/02 "Libro Sommerloch"
DER POP PATE Die österreichische Entertainmentlandschaft befindet sich im Umbruch, darüber sind sich Fachleute, aber auch die Konsumenten im klaren. Die Causa Libro hängt wie ein Damoklesschwert über uns und alle warten gebannt, ob es herunterfällt oder nicht. Die Folgen des Wegfallens dieses „Big Player“ in der Entertainmentbranche sind nicht vorhersehbar, können aber durch seine Vormachtstellung (bei manchen Produkten bis zu 50% des CD-Marktes, bei Singles sogar bis zu 70%!) um so drastischer sein. Ähnlich große Mitbewerber werden nur langsam, wenn überhaupt, das „Loch Libro“ stopfen können und der Fachhandel hat eh schon längst die Pforten geschlossen, genau wegen dem, der jetzt selber vielleicht „die Patschen streckt“! Wer oder was ist schuld, stellt man sich automatisch die Frage. Der falsche Einkauf, das zu enge Sortiment, das nicht vorhandene Fachpersonal, die zu billigen Preise, die zu knappe Mischkalkulation oder alles Zusammen - wir werden es NIE erfahren. Und was könnte das neue Szenario sein? Werden in Zukunft CD´s, Video´s und DVD´s im Lebensmittelhandel verkauft oder als Zusatzgut im Textilhandel oder gar auf der Post? Alles Möglichkeiten, die denkbar sind, aber bis zu deren Realisation es sicherlich noch einige Zeit brauchen kann. Die Lösung könnte auch das Projekt „Music Chanel“ der Mediatime sein, die im letzten Sound & Media vorgestellt wurde und für die ich gerade in Kooperation mit dem WWFF eine Befragung zum Thema „Musik & Internet in Österreich“ durchführe, um festzustellen, ob und wie sich die Entertainmentbranche die aktuelle Situation und die Zukunft im Netz vorstellt. Aber kann diese virtuelle Welt, das blättern in den CD Regalen wirklich ersetzen? Wäre es vielleicht nicht besser, wenn ähnlich gelagerte deutsche Konzerne, wie „Müller Markt“ oder „Kaufhof“, die wichtigen Standorte besetzt und das Sortiment so beibehält, wie bisher? Sicherlich nicht, denn diese Firmen kaufen sicher nicht in Österreich ein und würden genau das Gegenteil von dem auslösen, was sich die österreichische Entertainmentbranche wünscht. Also kann nur eine rein österreichische Lösung das Ziel aller Überlegungen sein, denn sonst dreht sich die Spirale sicherlich in die falsche Richtung und diese Auswirkungen, wären noch drastischer als wir sie je jetzt erahnen können. Um so interessanter wird die Musikmesse Popkomm in Köln werden, denn diese Messe wird vom 15.-17.August ein Gradmesser sein, wie es um die Entertainmentbranche wirklich steht. Trotz anfänglicher Finanzierungsengpässe, wird es einen österreichischen Gemeinschaftsstand geben, der zwar etwas kleiner, aber sicherlich wieder DER Treffpunkt für alle jene sein wird, die etwas über österreichische Musik und dessen Szene wissen wollen. Für alle österreichischen Newcomer dieser Messe wird es diesmal erstmals einen eigenen Tarif geben, der es noch attraktiver machen soll, sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Denn Wissen ist Macht und in Zeiten wie diesen - unersetzbar, speziell im immer stärker werdenden globalen Zeitalter. Wie sich die aktuellen Entwicklungen um Libro, auf den bevorstehenden „Call“ zur Creatives Industries Aktion der Stadt Wien / WWFF´s auswirken wird, läst sich jetzt noch nichts sagen, könnte aber gerade der so wichtige Gegenpol dazu sein.
Mario
Rossori ist Musikmanager |